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EU Strommarktdesign (2/2)

EU Strommarktdesign (2/2)

In den vergangenen 20 Jahren hat der EU-Elektrizitätsmarkt den europäischen Bürgern und Unternehmen wettbewerbsfähige Preise, eine große Auswahl und jederzeitigen Zugang zu Strom geboten. Aufgrund des derzeitigen Konzepts bleibt die Energiewende jedoch hinter den politischen Zielen zurück und offenbart Grenzen im Energieversorgungsportfolio, insbesondere ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine. Daher sind wir der Meinung, dass Reformen notwendig sind, um das Konzept für Net Zero fit zu machen und gleichzeitig wirtschaftlichen Wohlstand zu gewährleisten.

Um dies zu erreichen, schlagen wir gezielte Maßnahmen vor, die auf dem derzeitigen Marktdesign aufbauen und es stärken: Erstens sollte es ein solides Investitionsklima für Flexibilitätslösungen geben, was durch lokale Flexibilitätsmärkte und erweiterte Kapazitätsmärkte erreicht werden kann.
Zweitens brauchen wir Mechanismen, um die Vorteile gut funktionierender Großhandelsmärkte an Unternehmen und Endkunden weiterzugeben. Dies kann durch besser handelbare und umstrukturierte Stromabnahmeverträge (PPA) mit langfristigen Garantien für die fehlende Liquidität auf längere Sicht erreicht werden.
Schließlich brauchen wir einen liquiden Großhandelsmarkt, der nicht zersplittert ist, was durch eine ausreichende Auswahl an festen und dynamischen Preiskomponenten sowie durch Eigenerzeugung vor Ort und außerhalb des Standorts erreicht werden kann.

Die Einzelhändler benötigen über alle Zeithorizonte hinweg Liquidität auf dem Großhandelsmarkt, um die erforderlichen Profile zu beschaffen, und die Gestaltung sollte sicherstellen, dass sie ihre offenen Positionen auf dem Markt begrenzen können. Ein guter Übergangspfad und ein angemessener Ausgleich für Verluste sollten ebenfalls als Teil der Gesamtreform vereinbart werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, den Strommarkt jetzt für das EU NetZero Ziel zu gestalten, damit er für die nächsten Jahrzehnte zukunftssicher ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, die Stromrechnungen von den kurzfristigen Märkten unabhängig zu machen, darunter:

Handelbare Stromabnahmeverträge (PPA), die eher virtuell (finanziell) als physisch sind, mit kürzeren Laufzeiten und geringeren Anteilen an der Erzeugung strukturiert sind und durch Garantien einer öffentlichen Einrichtung unterstützt werden, um den erwarteten Systembedarf und die langfristige Nachfrage zu decken.

Umwandlung von einseitigen Differenzverträgen (CfD) in zweiseitige Systeme mit Kontrollmechanismen, die sicherstellen, dass erneuerbare Energien nicht eingesetzt werden, wenn der kurzfristige Preis unter ihren Grenzkosten liegt, und dass die Anlagen verfügbar sind, wenn sie wirtschaftlich sind. Eine weitere Ausweitung der CfD-Regelungen würde den Staat zu einem zentralen Käufer des Geldwerts von Strom machen.

Ankurbelung der Nachfrage nach langfristigen Produkten durch obligatorische längere Absicherungen für Versorger und (große) Einzelkunden oder durch die Abstimmung der Nachfrage nach (grünem) Strom mit dem Angebot auf lange Sicht durch Garantien.

Einführung eines Kapazitätsmechanismus, bei dem Erzeuger oder Speicherbetreiber für die von ihnen bereitgestellte Kapazität und nicht für den von ihnen erzeugten Strom vergütet werden. Der Kapazitätserwerb könnte zentral über einen wettbewerbsorientierten Mechanismus wie eine Ausschreibung erfolgen, mit einer kurzfristigen Merit-Order und einem Pay-as-bid-Mechanismus zur Deckung aller Grenzkosten.

Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile, und eine Systemänderung dieser Größenordnung würde sorgfältige Überlegungen und Überlegungen zum Übergangspfad erfordern, um Investitionsunsicherheiten und potenzielle Kompensationen zu vermeiden. Die Umsetzung einer oder einer Kombination dieser Optionen könnte jedoch die Stromrechnungen berechenbarer und weniger abhängig von kurzfristigen Märkten machen, was letztlich sowohl den Verbrauchern als auch der Energiewende zugute käme.

EU Strommarktdesign (1/2)

EU Strommarktdesign (1/2)

Eine Reform des Europäischen Strommarktes ist wichtig, doch der aktuelle Ansatz falsch.

Das Europäische Parlament möchte gemeinsam mit Frankreich und einigen anderen Staaten den Strommarkt über #Differenzverträge steuern.
Damit wollen sie, dass die Preise für Erneuerbare Energien (EE) durch sogenannte „Contracts for Difference“ (CfD), geregelt werden. Darin wird ein konstanter Preis festgelegt, den die Betreiber der Anlagen am Markt verlangen können. Solange der Marktpreis unter diesem Referenzpreis liegt, zahlt der Staat die Differenz an den Erzeuger. Dafür muss der Stromerzeuger zahlen, wenn der Marktpreis darüber liegt.

Dies klingt erstmals nicht verkehrt, doch wirklich durchdacht ist es nicht, denn:
CfDs sind planwirtschaftliche Instrumente – ein kosteneffektiver Ausbau der EE funktioniert am besten über Preis- und Marktsignale
Zeitbasierte finanzielle Absicherungen des Zubaus der EE ist der falsche Weg, die EU benötigt eine mengenbasierte Absicherung
– Aktuelle Preissignale im Markt haben eine Anreizwirkung für flexible Lösungen, wie Bioenerige, grüne Kraft-Wärme-Kopplung, Sektorenkopplungstechnologien – CfD können das nicht

Es ist richtig, dass die EU den Strommarkt neu aufsetzen will. Anders wird das Ziel 80% EE bis 2030 nicht zu erreichen sein. Doch in der aktuellen Hochpreisphase einen Schritt nach vorne zu gehen, bedeutet mittelfristig 2 Schritte zurück.

CfD #Strommarkt #EU